Winny

Auf den Hund gekommen!

Ende März 2003 sahen wir "Winny" zum ersten Male. Sie war ein unruhiges junges Hundemädchen und einer der lebhaftesten Hunde in Ahrenshöft. Sie war ständig in Bewegung und zog ihre Begleiter die mit ihr Gassi gehen wollten nur so durch die Gegend. Obwohl sie gerade erst ein knappes Jahr alt war, hatte sie schon zwei Vorbesitzer. Auch was man über sie hörte machte Einem nicht gerade Mut. Angeblich sollte sie Tapeten von den Wänden reißen und Körbchen und Decke ewig zerfetzen. Daher war sie auch der einzige Hund im Tierheim, der ohne Körbchen und Decke auskommen musste. Sie lag auf einer Holzpalette im Innengehege und war immer sehr hungrig, sodass "Mitinsassen" fast nie in den Genuss kamen ihr Fresschen ganz zu bekommen. Trotzdem war sie rank und schlank. Gleich am ersten Tag hat sie uns ausgewählt, um mit uns spazieren zu gehen. Eigentlich wollten wir zu diesem Zeitpunkt nur Hunde ausführen und uns noch nicht so schnell an einen binden. Irgendwie haben wir dann ganz schnell "Winny" in unser Herz geschlossen und ich bin zuerst zwei mal die Woche und später täglich zum Tierheim gefahren um mit ihr spazieren zu gehen. Nach 1 ½ Monaten kam dann endlich der Entschluss sie nicht länger ohne Bezugsperson zu lassen. Da ich seit ca. 3 Jahren nach zwei Rückenoperationen vorläufig in Rente war, konnte ich mich so gut um sie kümmern. Auch vergaß ich mit ihr auch vielfach meine ständigen Schmerzen. Nun musste ich häufiger an die frische Luft und hing nicht ständig unzufrieden in der Wohnung rum. Auch stand ich mal wieder früher auf. Es war also auch für mich sehr gut, ihr begegnet zu sein. Manchmal übernahm ich mich allerdings auch mit Spaziergängen und wurde am nächsten Tag dafür mit Schmerzen bestraft. Wir kommen uns jetzt vor wie Eltern mit Familienzuwachs. Als Winny sich übergeben hatte, nachdem sie Seewasser getrunken und haufenweise Seesand in St. Peter Ording gefressen hatte, litten wir mit ihr. Nachdem sie sich sieben mal übergeben hatte und zwei Tage nur Sandwürste produziert hatte, war der Spuk endlich zu Ende. Sie ist trotz dieser Erfahrung ein richtiger "Seehund", nur probiert sie jetzt vorher, ob es Süß- oder Salzwasser ist. Alle die schlechten Eigenschaften, die sie angeblich hatte, haben wir bis heute nicht kennengelernt. Das einzige Problem, dass wir mit ihr haben: sie frisst ab und zu Hundekot. Von ihrer Art ist sie jedoch der sozialste und liebenwürdigste Hund, den man sich nur vorstellen kann. Sie fängt nie Streit an, kläfft fast nie, fährt sehr gerne Auto, hörte schon nach einem Monat bei uns ziemlich gut und ist einfach nicht mehr wegzudenken. Ich kann bis heute nicht verstehen, wer einen solchen Hund ohne Existenzgründe (Arbeit) oder Krankheit einfach so schnell aufgibt und ins Tierheim gibt. Auch sollten die Vorbesitzer ehrlicher sein und die Gründe nicht auf den Hund abwälzen. Wenn man natürlich von einem halbjährigen Hund, der noch in der Entwicklung ist, verlangt, sechs und mehr Stunden lieb zu Hause in der Ecke zu liegen, sollte man sich lieber einen Goldhamster anschaffen. Auch wäre es besser, wenn man schon einen Hund abgeben muss, die nächsten Besitzer ehrlich mit den Vorzügen und Nachteilen zu informieren und keine Schauergeschichten zu erfinden. Wenn wir unsere Winny mit anderen Hunden vergleichen, merken wir erst, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Aber vielleicht denkt jeder Hundebesitzer so. Hoffentlich!!! Wir möchten uns noch mal bei den haupt- und ehrenamtlichen Helfern des Tierheims Ahrenshöft für die nette aufgeschlossene Art bedanken, mit der wir stets empfangen wurden und hoffen, dass die nächsten Tiere und Besitzer ebenso glücklich werden wie wir.

Hans-Christoph Jeske und Angelika Falter